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Vor Publikum: 9Lesen in Frankfurt 2019

Meine erste Lesung als Autorin liegt hinter mir. Was für ein unbeschreibliches Gefühl! Jetzt, eine Woche nach der Lesung, setze ich mich so langsam damit auseinander, dass ich tatsächlich mein unveröffentlichtes Manuskript „Marc & Dodo“ vor ganz vielen fremden Menschen vorgestellt und ein Kapitel gelesen habe! 

In diesem Blogbeitrag möchte ich euch daher mitnehmen und euch erklären, wie es dazu kam, dass ich im Rahmen von 9Lesen lesen durfte, und welche Erfahrungen ich auf dem Weg dahin gesammelt habe. Denn egal, wie häufig man bereits vor Menschen stand und geredet hat – sein eigenes Manuskript zu lesen, sich nicht nur vor Menschen zu stellen und einen Text vorzutragen, sondern tatsächlich nicht nur als Leserin, sondern auch als Autorin für diesen Text eintreten zu müssen, ist erschreckend, beängstigend und überwältigend zugleich. Aber dazu später! 

9Lesen
Ich bin eine der Autorinnen, die am 18. Oktober 2019 im Rahmen von 9Lesen aus ihrem Manuskript vorträgt!

Der Weg zu 9Lesen – Bewerbung, Unsicherheit, eine Begegnung

9Lesen ist ein Zusammenschluss von Autor_innen, die eine Lesungsreihe veranstalten, die zu besonderen Zeitpunkten – z.B. während Buchmessen und Litcamps – 9 Autor_innen die Möglichkeit geben, aus ihren Geschichten zu lesen. Das besondere Konzept dabei ist, dass nicht nur veröffentlichten Autor_innen eine Plattform geboten wird. Die Hälfte der Plätze ist für unveröffentlichte Autor_innen und ihre Manuskripte gedacht. Möchte man bei 9Lesen in den Autorenpool, kann man sich bewerben – nähere Informationen finden sich auf der Homepage. Dabei hilft es, ein wenig in sozialen Netzwerken und Foren Ausschau zu halten, da sie meist Werbung machen, wenn neue Autor_innen gesucht werden. 

Genau so bin auch ich als unveröffentlichte Autorin bei 9Lesen gelandet – ich habe einen Aufruf von Babsi gesehen, sie angeschrieben und mich nach einigen Tagen dann doch dazu durchgerungen, mich per E-Mail zu bewerben.

Kurz vorher lief eine Instagram-Challenge mit Anna Weydt, bei der ich mein Projekt #Feuerteufel etwas besser vorgestellt habe, aber daraus eine Stelle auszuwählen fühlte sich noch nicht richtig an. Es muss einfach passen. Daher habe ich mich mit einem Kapitel aus „Marc & Dodo“ beworben, meiner viel zu langen New Adult Contemporary Romance. 

Ich war mir nicht sicher, ob ich damit nicht den Sprung ins Haifischbecken gewagt habe – aber als ich Babsi auf dem Litcamp und bei 9Lesen in Hamburg traf, machte sie mir Mut. An dem Tag las sie selbst aus ihrem unveröffentlichten Manuskript im Rahmen von 9Lesen (ihr findet es übrigens derzeit bei Sweek: Der Horizont hinter den Wellen!) und ich sagte mir: Wenn Babsi dir das zutraut, dann warten da keine Haifische auf dich, sondern Sirenen und Delfine und ganz viele tolle Meeresbewohner. 

Erfahren, dass ich ausgewählt wurde, habe ich übrigens nicht durch die E-Mail, sondern den Anruf von Katrin Biasi, die schneller ihre E-Mail öffnen konnte als ich und gleich zum Hörer gegriffen hat. Ich habe also erst erfahren, dass sie lesen wird, bevor ich die Chance hatte, meine eigene Mail zu öffnen. Aber dann bin ich durch die Wohnung gehüpft! 

Die vermaledeite Textstelle

Gerade habe ich ja bereits erwähnt, dass ich mich mit einem Kapitel aus „Marc & Dodo“ beworben habe – Kapitel 3, wenn ich es dir genau verraten soll. Ich habe es in einer Testrunde geschafft, das Kapitel in den 10 Minuten, die man zur Verfügung hat, zu lesen – und habe das ganze aufgenommen und meiner Testleserin Cassie geschickt. Ihre Reaktion war eindeutig: 

Es tut mir leid, aber es klingt echt lustig: Atmen, ein schneller Schwall Wörter, Atmen, ein schneller Schwall Wörter. Also jaaa, du musst langsamer reden … und teilweise etwas deutlicher.

Cassie, 7. Oktober 2019

Das Problem war schnell gefunden: Das Kapitel war einfach zu lang. Ich habe versucht, die Stelle zu kürzen, aber das Kapitel war so rund, dass ich kaum Sätze wegnehmen konnte, und dann ergab sich noch ein weiteres Problem: Ich habe in „Marc & Dodo“ vier Protagonist_innen, und Marc und Dodo kamen in dem Kapitel nur am Rande vor … schlecht, wenn das Manuskript nach dem anderen Pärchen benannt ist. 

Damit war dann aber auch sehr schnell klar, welche Szene es sein musste: Die für die Leser_innen erste Szene zwischen Marc und Dodo, am Morgen nach ihrem One Night Stand. Es ist keine Szene mit vielen Hoch- und Tiefpunkten, aber sie zeigt die Dynamik zwischen den beiden, verrät ein wenig über die Charaktere der beiden – und außerdem ist die Szene rund genug, um auch Menschen, die nicht in dem Genre lesen, einen Abschluss zu bieten. Es ist der Anfang einer Liebesgeschichte – und hätte das Ende sein können.

9Lesen – tolle Unterstützung inklusive!

Auf der Frankfurter Buchmesse habe ich dann ganz viele Menschen getroffen, die mit 9Lesen verbunden sind – verbunden durch die Organisation, durch das eigene Lesen dort, durch Moderation oder als begeisterte Zuschauer_innen. Es ist beeindruckend, wie viele Menschen von dem Konzept und den Lesungen begeistert sind und wie viel Interesse aufgebracht wird, wenn man sagt, dass man selbst aus seinem unveröffentlichten Manuskript liest. Wo hat man schon diese Möglichkeit? 

Besonders Jana Tomy, Babsi Schwarz und Andrea Schrader halfen mir in den Tagen vor 9Lesen, mich auf die Lesung vorzubereiten. Babsis Rolle habe ich ja bereits angeschnitten. Andrea habe ich am Freitag getroffen und nachdem wir uns erst gegenseitig nicht erkannt haben, haben wir ein nettes Mittagessen miteinander eingenommen und ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert. Danke dafür! 

Katrin und ich sind nervös vor unserer ersten Lesung
Nur noch wenige Stunden bis zu meiner ersten Lesung - und was ist besser, als den Abend mit einer meiner besten Freundinnen zu teilen? Katrin Biasi hat nämlich auch das erste Mal vor Publikum gelesen!

Die Spannung steigt!

Kurz nach 18 Uhr waren Katrin und ich dann an der Location und lernten die anderen Autor_innen kennen bzw. sahen bekannte Gesichter wieder. Das Team von 9Lesen erklärte uns noch einmal den Ablauf, es gab einen Peptalk und wir machten Fotos.

Mit jedem neuen Gast wurde die Nervosität größer. Vor all den Menschen sollte ich nun wirklich aus meinem eigenen Manuskript lesen? Hatte ich noch alle Tassen im Schrank? Zwischen der Begrüßung von Freund_innen und einem letzten Durchgang meiner Textstelle schaffte ich es sogar, etwas zu essen, und schließlich war es auch schon 20 Uhr.

Magret Kindermann war die erste Autorin an dem Abend, die aus ihrem Buch vortrug, und danach war ich auch schon dran. Ich muss zugeben, die Nervösität hat mich ihrem Text nur halb folgen lassen, zumal die Technik anfangs Probleme machte. Aber dann war sie durch – und ich war dran!

Ich lese!

Brainstormers bei 9Lesen
Ein paar meiner Writing Buddys ließen es sich nicht nehmen und haben Katrin und mich bei 9Lesen unterstützt! Brainstormers, ihr seid klasse!

Das Gefühl war unglaublich. Ich habe alles und gleichzeitig so wenig wahrgenommen. Aber davon möchte ich euch ein anderes Mal erzählen, denn: ich werde meine Textstelle nochmals aufnehmen und euch hier zur Verfügung stellen. Seid gespannt! Und jetzt noch zu den Menschen, ohne die mein Autorinnenleben ziemlich einsam wäre, oder simpel gesagt: 

Unterstützung von allen Seiten!

Selbst bei einer ersten Lesung ist es nicht selbstverständlich, dass bekannte Menschen kommen. Umso begeisterter bin ich, dass meine beste Freundin, ihr Mann und auch mein Freund für die Lesung aus NRW angereist sind. Außer ihnen waren auch ganz viele Autor_innen von den „Brainstormers“ da. Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist!

Das war es zunächst von mir. War ja auch vorerst genug, oder? Falls nicht, frag mich!
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